Orangenanbau und -Ernte auf Mallorca

Die meisten der Orangensorten auf Mallorca sind enstanden entweder aus Spontan-Mutationen (unkontrollierte Anpassungen an veränderte Umweltbedingungen) oder als Veredelung einer älteren Sorte oder einer anderen Zitrufrucht. Es wird hautpsächlich durch Veredelung neu gepflanzt. Dazu dient als Stamm ein Mandarinen- oder Zitronenbaum, in bzw. an den ein Zweig der edlen Sorte (ein Edelreis)  gepropft wird. Dieser Vorgang kann an einem Stamm oder Baum öfters durchgeführt werden, so dass es hier auf Mallorca immer wieder mal ganz interessasnte Bäume gibt, die nämlich nicht nur Zitronen, sondern an jeweils einem anderen, mittlerweile kräftigen Ast auch noch verschiedene Orangensorten tragen.

Die jung gepflanzten Bäume werden einige Jahre lang am Früchte tragen gehindert, indem man die Blüten entfernt. So wird der Baum seine ganze Kraft entfalten und später viele, pralle Früchte hervorbringen. Ein starker, kräftiger Orangenbaum ist mit 25 bis 30 Jahren im Höhepunkt seines Baum-Lebens und kann pro Jahr bis zu 200 kg Früchte tragen.

Reichlich gewässert zu werden ist für den Zitrusbaum eine der wichtigsten Voraussetzungen. In den Sommermonaten wird das Wasser durch zum Teil schon durch die arabischen Inselbewohner angelegten über- oder unterirdischen Kanälen in die "huertos" (Orangengärten) geleitet. Der Wassermann (sequier) wandert ab den frühen Morgenstunden von Finca zu Finca, öffnet und schliesst die kleinen Pforten in dem Kanalsystem, so dass jeder Landbesitz die ihm zustehende Wassermege erhält. Das Wasser läuft entweder direkt in vorbereitete Gräbern um die Bäume oder läuft in einen Estanque. Jede Agrar-Finca verfügt über so ein Wasserbecken, oft auch mit Fischen, und speist daraus das Schlauchsystem zum Bewässern.

 

Gute, naturbelassene Orangen werden nur organisch gedüngt. Dafür werden z.B. Kompostanlagen mit allen organischen Abfällen einer Finca angelegt. So eine Anlage hat 3 Kammern, und regelmässig wird der Kompost gewendet, bis er dann zum Winteranfang ausgebracht und um die Bäume verteilt wird. Falls nötig (es ist nicht genug organischer Dünger vorhanden) wird noch mineralisch hinzugedüngt.  Schafe oder Ziegen sind Leckermäuler und lieben besonders die jungen Orangen- und Zitrusstämme, -Äste und Blätter, deshalb leben im Orangengarten am besten Hühner und tragen zur natürlichen Düngung des Bodens bei.
Gegen Schädlinge wird ein natürliches Parafinöl gespritzt und im Juni/Juli wird auf einer Finca für naturbelassene Orangen die Fliegenfalle in die Bäume gehängt. Die Fliege ist der am meisten gefürchtete Schädling der Zitrusbäume. Die traditionelle Variante dieser Falle war eine Glasflasche mit einer nach innen gewölbten öffnung im Boden. Die Flasche war gefüllt mit einem für die Fruchtfliege sehr attraktiven Öl und verlockte die Tierchen dazu, durch die untere Öffnung in die Flasche zu fliegen. den Ausgang findet sie dann nicht mehr. Die Position dieser Flasche muss alle 3 Stunden mit der Sonne geändert werden.

 

Geerntet werden die Orangen im besten Fall einzeln, Stück für Stück von Hand. Sorgfätig werden sie mit einer Gartenschere, nah  der Frucht vom Baum geschnitten und in einem Korb ihrer gaumenfreudigen Zukunft überlassen.