Der Orangenexpress

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Isolierung der Kleinstadt Sóller im Südwesten der Insel durch den Gebirgszug der Serra de Alfabia mit einer Höhe von 1.067m, nicht nur eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit der im Tal des Tramuntanagebirges lebenden Bevölkerung, sondern auch eine spürbare Begrenzung der Handelswege. Handelsgüter wie Orangen, Olivenöl und Stoffe wurden weitgehend übers Meer direkt nach Europa (Südfrankreich) verschifft. Der Landweg war kaum geeignet Waren in die Hauptstadt zu schaffen. Mit Kutschen oder Karren musste der Coll de Sóller mit vielen Auf und Ab's überwunden werden. Die Wege oder Pfade waren steil und schmal und für 2- und 4-Beiner äusserst anstrengend und zeitintensiv.

 
Zeichnung David Templeton, Deya
Zeichnung David Templeton, Deya

Der Rest der Insel Mallorca war seit Ende des 19 Jh. von mehreren Eisenbahnlinien durchzogen, von denen allerdings die meisten um 1970 wieder geschlossen wurden. Als Jeronimo Estades, ein Solleric mit mutigem Unternehmergeist, die Bahnverbindung zwischen Sóller und Palma vorschlug und in die Wege leitete, auch gegen manche Widerstände mit seinem Projekt einen bedeutenden Beitrag zur Modernisierung des Tals leistete.
Die Bauarbeiten begannen auf beiden Seiten der Strecke, bis nur noch die Serra de Alfabia durchbrochen werden musste. Mehrere Tunnel mussten gebaut werden, der längste misst mehr als 2.8 km. 8 Meter hoh ist das Viadukt "Cinc ponts" (5 Brücken), mit dem eine der Schluchten überquert wird. Die offizielle Einweihung der Bahnline von 27 km fand am 16. April 1912 mit vorerst 3 Lokomotiven statt und dir ersten Orangen kamen auf der Schiene in der Hauptstadt an. Sicherlich wurden sie mit Begeisterung angenommen.
Im Juni 1929 wurde dann der elektrische Antriebswagen (von Siemens-Schuckert) in Betrieb genommen.

 

Sehenswert ist das Gebäude des Bahnhof von Palma mit einem Ausstellungsraum und der Bahnhof von Sóller mit Exponaten von Picasso und Miro.

Häufig wird der Zug zwischen Soller und Palma auch als "Der Rote Blitz" bezeichnet, doch rot ist er nicht, schnell wie ein Blitz eigentlich auch nicht. Die Fahrt ist beschaulich und angenehm. Der Zug erinenrt ein bisschen an die Züge des wilden Westens, mit Eisenstangen, die die Plattformen absichern, und Holzbänken mit verstellbarer Sitzrichtung. Auch die für Gruppen zu mietenden Luxuswagen zeugen von einer glänzenden Vergangenheit. Die Bezeichnung "Orangenexpress" hat nun nichts damit zu tun, dass man auf der Fahrt Orangen pflücken kann, sondern ist eher ein Hinweis auf die Bedeutung des Zuges zur Gründungszeit als Handelsverbindung.